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Vertrauen und Zweifel

11. Okt.
2 Min. Lesezeit

Es gibt diese Momente im Leben, da klärt sich etwas, ohne dass wir genau sagen können, warum. Eine Gewissheit tritt ein, kein Beweis, eher ein inneres Aufleuchten. Denn nicht jeder Zweifel muss durch einen Beweis überwunden werden. Ähnlich verhält es sich mit dem Vertrauen. Es wächst oft in einer Begegnung, in einem Wort, einer Geste oder der Erfahrung, getragen zu sein. Manchmal können wir erst im Rückblick sagen, warum wir einem Menschen vertraut haben. Wir erleben das besonders in unseren Beziehungen, wenn wir einem Menschen vertrauen, obwohl wir nicht wissen können, ob dieses Vertrauen enttäuscht wird Im Augenblick selbst bleibt immer etwas offen.


Zweifel hat durchaus seinen berechtigten Platz im Leben. Er bewahrt davor, vorschnell zu urteilen oder sich an scheinbare Gewissheiten zu klammern. Zweifel kann innehalten lassen. Er fragt nach, prüft und sucht. Erst wenn er jede Begegnung verhindert und jedes Vertrauen unmöglich macht, wird er zur Last. Oft geht es darum, den Zweifel nicht bloß zu überwinden, sondern auszuhalten, ohne die Offenheit für das Leben zu verlieren. Unser Leben ist von kleinen wie großen Ambivalenzen geprägt. Manche halten wir aus, gegen andere wehren wir uns, wieder andere versuchen wir aufzulösen. Die Erfahrung, dass wir nicht alle Ambivalenzen auflösen müssen, kann entlasten und uns eine gewisse Sicherheit vermitteln.


In der daseinsanalytischen Haltung steht nicht die schnelle Antwort im Mittelpunkt. Vielmehr lädt sie dazu ein, wahrzunehmen, was sich zeigt - ohne es sofort einzuordnen oder festzulegen. Durch das gesammelte Hinsehen und Hinhören kann sich der Blick auf das verändern, was uns beschäftigt. Dabei müssen nicht alle Fragen beantwortet werden. Manchmal eröffnet sich bereits durch das aufmerksame Hinsehen ein neuer Zugang. Vertrauen zeigt sich auch darin, dass wir trotz aller Ungewissheit unseren Weg weitergehen können.

 
 
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